Pressekit für Bands: Was Veranstalter wirklich sehen wollen (mit Checkliste)

Du schickst eine Booking-Anfrage, der Veranstalter klickt auf deinen Link – und dann entscheiden ein paar Sekunden. Genau in diesem Moment ist dein Pressekit dein wichtigster Auftritt, noch bevor du überhaupt auf einer Bühne stehst. Wir lesen als Veranstalter selbst jede Menge Anfragen. Hier steht, was in ein gutes Pressekit gehört, was du weglassen kannst und wie es aufgebaut sein sollte, damit es beim Booker hängen bleibt.
Was ist ein Pressekit überhaupt?
Ein Pressekit – oft auch EPK für „Electronic Press Kit“ genannt – ist die Visitenkarte deiner Band für Veranstalter, Booker und Presse. Es bündelt alles, was jemand braucht, um in kurzer Zeit zu entscheiden: Passt diese Band zu meinem Abend?
Wichtig ist dabei weniger, wie viel drinsteht, sondern wie schnell man das Wichtigste findet. Ein Veranstalter liest dein Pressekit nicht von oben bis unten. Er scannt es – meistens am Handy, oft zwischen zwei anderen Aufgaben.
Die 8 Bausteine eines guten Pressekits
1. Die Kurzinfo ganz oben
Bandname, Genre, Stadt und Besetzung – in einer Zeile. Zum Beispiel: „Die Spätschicht – Indie-Rock aus Leipzig, 4 Leute“. Damit weiß der Veranstalter sofort, ob du grundsätzlich ins Programm passt. Fehlt diese Info, muss er suchen, und genau das macht er meistens nicht.
2. Ein Satz, der hängen bleibt
Beschreib eure Musik in einem einzigen Satz und nenn zwei Bands, mit denen man euch vergleichen kann. Nicht fünf, nicht zehn. Zwei Vergleiche reichen, damit sich jemand euren Sound vorstellen kann. Den ausführlichen „Wer sind wir“-Text kannst du auf deine Website packen.
3. Euer stärkstes Live-Video
Das ist für viele Veranstalter der wichtigste Punkt: Wir wollen sehen, wie ihr auf der Bühne funktioniert. Ein gut gefilmter Live-Auftritt schlägt jedes Studio-Musikvideo. Pack ein Video ganz nach oben – das beste, das ihr habt. Lieber ein starkes als fünf mittelmäßige.
4. Ein bis zwei Songs zum Reinhören
Verlinke eure stärksten Songs direkt, zum Beispiel bei Spotify, Bandcamp oder YouTube. Der erste Song muss sofort zeigen, wofür ihr steht – niemand wartet bis zur dritten Minute.
5. Pressefotos in guter Qualität
Zwei bis drei Fotos reichen: mindestens eines im Querformat (für Websites und Social Media) und eines im Hochformat (für Plakate). Die Fotos sollten in hoher Auflösung herunterladbar sein, ohne Anmeldung. Schreib dazu, wer das Foto gemacht hat – Veranstalter müssen den Fotografen bei der Veröffentlichung oft nennen.
6. Euer stärkstes Argument
Was hebt euch von den anderen Anfragen ab? Ein gewonnener Bandcontest, ein Support-Slot für eine bekannte Band, ein neues Album, ausverkaufte Clubshows in eurer Stadt, gute Zahlen bei Streams oder Followern. Das gehört nach oben, nicht in den letzten Absatz. Eine kurze Liste eurer bisherigen Auftritte zeigt außerdem: Diese Band ist live erprobt.
7. Kurz die Technik
Wie viele Leute steht ihr auf der Bühne, was bringt ihr selbst mit, was braucht ihr vom Veranstalter? Für den ersten Eindruck reicht eine kurze Angabe. Einen ausführlichen Technical Rider oder Stageplot kannst du als Download anbieten – für kleine Bühnen und Bars ist er oft gar nicht nötig.
8. Ein Kontakt, der antwortet
Eine Person, eine E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer. Nicht drei verschiedene Ansprechpartner. Wenn uns kurzfristig eine Band ausfällt, rufen wir die an, deren Nummer wir gerade finden.
Wenn mir kurzfristig eine Band absagt, rufe ich nicht die beste Band an – sondern die, deren Nummer ich habe und die angeboten hat einzuspringen.
Was du weglassen kannst
- Die komplette Bandgeschichte. Wie ihr euch im Proberaum kennengelernt habt, interessiert später die Fans – nicht den Booker beim ersten Blick.
- Zehn Links nebeneinander. Social-Media-Profile gehören ans Ende, nicht nach oben.
- Downloads hinter einer Anmeldung oder Dateien, die erst angefragt werden müssen.
- Riesige Bilder direkt in der Mail. Ein großes Foto im Mailtext macht die Mail langsam und unübersichtlich. Lieber verlinken.
- Tracking-Links aus Newsletter-Tools. Wenn eure Anfrage über ein Marketing-Tool verschickt wird, wirkt sie schnell wie Werbung – und landet auch eher im Spam.
Website, PDF oder Linktree?
Am besten funktioniert eine eigene Unterseite auf eurer Website, zum Beispiel eureband.de/presse. Sie lässt sich mit einem einzigen Link teilen, ist immer aktuell und funktioniert am Handy. Ein PDF kannst du zusätzlich zum Download anbieten. Schick es aber nicht als Anhang mit der ersten Anfrage: große Anhänge landen gerne im Spam, und viele Veranstalter öffnen Anhänge von Unbekannten grundsätzlich nicht.
Eine Linktree-Seite ist besser als nichts, ersetzt aber kein Pressekit: Dort fehlen meistens genau die Infos, die ein Veranstalter sucht – Kurzinfo, Live-Video, Highlights und Kontakt auf einen Blick.
Die Pressekit-Checkliste
- Bandname, Genre, Stadt, Besetzung in einer Zeile
- Ein Satz zur Musik und zwei Vergleichsbands
- Euer stärkstes Live-Video ganz oben
- Ein bis zwei Songs zum Reinhören
- Zwei bis drei Pressefotos zum Download (Quer- und Hochformat, mit Fotografenangabe)
- Euer stärkstes Argument und eine kurze Liste bisheriger Auftritte
- Kurze Technik-Info, Rider optional
- Eine Kontaktperson mit Mail und Telefonnummer
- Social-Media-Links ganz unten
- Alles mit einem Link erreichbar und am Handy gut lesbar
Die Checkliste als PDF zum Abhaken
Alle 10 Punkte auf einer Seite, plus die 5 häufigsten Fehler in Booking-Mails – kostenlos per Mail.
Und dann: die Mail, die zum Pressekit führt
Das beste Pressekit nützt nichts, wenn die Mail davor nicht geöffnet wird. Wie du eine Anfrage schreibst, die Veranstalter tatsächlich lesen – mit Betreffzeile, Aufbau und fertigen Vorlagen für Club, Festival, Bar und Stadtfest –, zeigen wir im Booking-Guide „Gebucht statt ignoriert“. Darin findest du auch eine ausführliche Pressekit-Checkliste und einen Pitch-Generator.
Du hast Mail und Pressekit schon fertig und willst wissen, wie beides auf Veranstalterseite ankommt? Mit dem Booking-Mail-Check schauen wir uns deine Anfrage und dein Pressekit an und sagen dir ehrlich, was du noch verbessern kannst.